Bauten

02|2026

Spannender Entwurf: Eine neue Art von Kirche

In Kopenhagen ist auf der Insel Amager südlich des Stadtzentrums seit etwa 1992 auf einem ehemaligen Militärgelände ein neuer Stadtteil entstanden, der nach und nach weiter ausgebaut wird: Ørestad. Auf Amager liegt auch der Hauptstadtflughafen Kastrup. Am Richard Mortens Vej 1 baut ZÜBLIN Timber als Generalunternehmen im Auftrag der Pfarrgemeinde Islands Brygge seit Mai 2025 eine neue Kirche. Sie gehört zur „Folkekirken“, der ev.-lutherischen Volkskirche Dänemarks. Es ist der erste Kirchenneubau in der dänischen Hauptstadt seit mehr als 30 Jahren. Wobei der Kirchenbegriff bei diesem Projekt weiter gefasst wird.

Das von der Bauherrin mit der Planung beauftragte Architekturbüro Henning Larsen untersuchte - zusammen mit den Architekten von Platant aus Valby - zunächst die lokalen Bedürfnisse der Ørestad-Bewohner, die sehr unterschiedlichen Hintergrund haben. Kopenhagen wächst und es werden mehr Einwohner, gleichzeitig aber - wie auch in anderen Teilen Europas - nicht unbedingt mehr Gottesdienstbesucher. Und es wurde ein Mangel an Räumen für gemeinsame Aktivitäten der Bewohner des Stadtteiles festgestellt.

Mindestens genauso wichtig wie die Kapelle als traditionell besinnlicher Ort der inneren Einkehr, mit einem zweigeschossigem Bürotrakt für die Kirchenverwaltung und einem separaten Kirchhof ist daher das unter demselben Dach geplante Kulturzentrum. Es wurde mit seinem Raumangebot auf kleinere Konzerte und Darbietungen, Lesungen und Gymnastikkurse ausgerichtet, damit neben Gottesdienstbesuchern auch solche Menschen aus der Umgebung das Gebäude nutzen, die normalerweise keine Kirche besuchen.

Wobei das mit dem „gemeinsamen Dach“ nicht wörtlich zu nehmen ist, denn dieses erinnert mit unterschiedlich hohen und unterschiedlich geformten Dachaufbauten mehr an das Kronendach eines Wäldchens. Die Architekten beabsichtigen, hiermit einen Bezug zur Natur des Waldes herzustellen. In der Mitte der 13 m hohen Kapelle schufen sie mit Lichtöffnungen in den 16 Dachdomen einen hellen Versammlungsplatz wie auf einer Lichtung.

Das Gesamtgebäude wurde vom Kopenhagener Ingenieurbüro Ramboll als Holzbau konzipiert, ergänzt um einige Stahlkomponenten. Das Tragwerk ist ein Skelett aus Brettschichtholz und Stahlprofilen, das mit Holzrahmenwänden und Rippenelementen aus Holz für Decken und Dächer von Züblin Timber abgeschlossen wird. Mit dem Holzbau wurde im Oktober 2025 begonnen. Die Fassaden werden mit Holzschindeln aus kanadischer Western Red Cedar verkleidet. Gebaut wir unter einem Wetterschutzdach von Sitecover. Das Projekt soll 2026 fertig werden.

  • Architektur: Henning Larsen, Platant, Ramboll
  • Bauherr: Pfarrgemeinde Islands Brygge 
  • Generalunternehmen: ZÜBLIN Timber 
  • Bauausführung: Chr.Bestle/BC Montagebau 
  • Holzbau: ZÜBLIN Timber 
  • Renderings: Henning Larsen/Vivid-Vision; 
  • Fotos: Chr.Bestle/BC Montagebau; Henning Larsen/Vivid Vision; D.Kreissig und M.Hoffmann/ZÜBLIN Timber; Peter Lund Christensen