Bauten
01|2026
Resilienter Bürobau – bei Erdbeben sicher und im Krisenfall mehrere Tage autark
Heute an dieser Stelle ein Holzbauprojekt in einer Region mit höchstem Erdbebenrisiko, und zwar in Wellington / NZ (210.000 Einwohner). Dort steht man vor Herausforderungen, wie man sie wegen deutlich geringerer seismischer Gefährdung in Mittel- und Nordeuropa nicht hat. Hinzu kommt, dass es bei dem beschriebenen Objekt um ein Gebäude von hoher Bedeutung geht, in dem Entscheidungen für das ganze Land getroffen werden.
Das neue sechsgeschossige Dienstgebäude, dass der Parliamentary Service für rund 600 Regierungsmitarbeiter und Parlamentarier in der Hauptstadt erstellt (Projektname „Museum Street Building“), soll effizientere Verwaltungsstrukturen unterstützen und den Beschäftigten bessere Arbeitsbedingungen geben. In der Bedeutungskategorie IV soll der Neubau gewährleisten, dass die Handlungsfähigkeit der Institution im Krisen- und Katastrophenfall erhalten bleibt. Das Gebäude wurde von seinen Planern Studio Pacific Architecture (SPA) und Holmes Group nach den Prinzipien des Low-Damage-Designs entworfen und bekam hoch leistungsfähige Basis-Isolatoren und Dämpfer. Wegen seiner Zähigkeit unter Belastung rückte Holz als Baustoff für das Tragwerk in den Vordergrund.
Das seit 2014 an der Stelle eines Parkplatzes an der Museum Street geplante Gebäude wurde
bei einem Projekt-Relaunch im Jahr 2020 auf Wunsch der Bauherren von Stahl und Beton stärker
auf Nachhaltigkeit (carbon footprint) und Umweltfreundlichkeit (Wasser- und Energieverbrauch)
ausgerichtet. Dazu sollte ein massives Holztragwerk aus H-förmigen Grundrahmen über drei
Geschosse (13 m hoch) beitragen, außerdem Holz aus inländischer Produktion verwendet
werden.
Jeder der H-Rahmen besteht aus 80 cm dicken BSH-Stützen, die durch drei massive Stege verbunden sind und 18,5 t wiegt. Gebaut wurde mit Brettschichtholz (BSH) und Brettsperrholz von Red Stag TimberLab in Auckland sowie Furnierschichtholz (LVL) von Nelson Pine Industries Ltd. in Nelson. Die Bauarbeiten führten u.a. die Firmen LT McGuinness Ltd. McGuiness (Holzbau) und Aurecon (u.a. Gebäudetechnik und Fassade) durch. RCP ist mit der Projektleitung beauftragt. Die Geschossdecken wurden als mehrschichtiges System mit Doppelböden konzipiert, in denen Kabel und Rohrleitungen geführt werden.
Die Innenräume werden mit einem flexiblen Trennwandsystem (X-Frame) aufgeteilt, um Räume zügig und ohne weitere Baumaßnahmen ändern zu können. Im Untergeschoss wurde auf elektrische Komponenten verzichtet, um die Resilienz des Gebäudes gegen Hochwasser zu erhöhen. Dort stehen aber drei Tanks (je 55.000 Liter) für Regenwasser, Abwässer und eine Sprinklerzentrale. Anfang 2027 soll das Projekt zum Abschluss kommen.
- Architektur: Studio Pacific Architecture (SPA), Holmes Group
- Bauherr: Parliamentary Service
- Projektleitung: RCP
- Bauausführung: LT McGuinness Ltd., Aurecon
- Holzbau: Red Stag TimberLab, Nelson Pine Industries Ltd.
- Quellen/Fotos: Parliamentary Service; SPA; LT McGuinness; Holmes; The Post / Bruce Makay; Newsroom / Marc Daalder







