Bauten
02|2026
Ein Kiosk, so kompakt und funktional wie ein Schweizer Taschenmesser
Auch wenn der neue Holz-Kiosk auf der renovierten Züricher Stadthausanlage bereits vielfach kommentiert und „geliked“ wurde, wollen wir uns hier anschließen und den Followern von Forum Holzbau einen Blick auf diesen außergewöhnlichen Holzbau empfehlen.
Die Stadthausanlage ist ein Park und Marktplatz am Südende der Züricher Altstadt. Sie grenzt an den Bürkliplatz, an dem auch Ausflugsschiffe vom Zürichsee anlegen. Der Stadt war wichtig, diesen prominenten Bereich am Nordende des Zürichsees aufzuwerten. Er wurde mittlerweile in Etappen umgebaut und die Aufenthaltsqualität der Gesamtanlage verbessert.
Der Ersatzbau für den alten Kiosk an der Fraumünsterstraße ist sehr ansehnlich geworden. Am Planungswettbewerb des Amts für Hochbauten der Stadt Zürich nahmen 140 Architekten-Teams teil, den 2022 das Schmid Ziörjen Architektenkollektiv (SZA) aus Zürich für sich entschied.
Nach einjähriger Bauzeit ist im November 2025 der kompakte, eingeschossige Holzbau auf einem umlaufenden Sichtbetonsockel mit Ortbeton-Untergeschoss fertig geworden. Er vereint mehrere Funktionen unter einem Dach: neben der Gastronomie noch eine öffentliche WC-Anlage und einen Büroraum der Marktaufsicht: Das Konzept sorgt für klare Trennung, gleichzeitig aber auch für kleine Verkehrsflächen. Im Teilkeller sind Personal-, Lager-, Kühl- und Technikräume untergebracht, außerdem eine Trafo-Station für E-Anschlüsse von Marktständen und bei Veranstaltungen.
Der Gastro-Bereich ist nach drei Seiten offen, also einladend. Ein überkragendes Dach bietet am Kiosk Witterungsschutz, bei Hitze auch Schatten und bildet gleichzeitig den Übergang zu den Außensitzplätzen.
Das Tragwerk und der Brandschutz des etwa 16 m langen und 6 m breiten Kiosks wurde von Makiol Wiederkehr geplant: eine Konstruktion aus Stützen und Bindern in Längsrichtung im Raster von 1,15 m. Die auskragenden Fassadenstützen sind mit den Deckenbalken verbunden und übernehmen die vertikalen Lasten aus der Dachkonstruktion, tragen also auch das auskragende Vordach. Hinter den Stützen bilden gedämmte Holzrahmenelemente die Gebäudehülle. Die HolzrahmenTrennwände tragen zur Aussteifung bei. Die Zwischenräume zwischen den Fassadenstützen wurden im Brüstungs- und Sturzbereich mit horizontalen Holzlamellen ausgefacht. Vor den Fenstern (elektrische Vertikalschiebefenster mit lasierten Eichen-Rahmen) wurden Schiebeläden mit vertikalen Holzlamellen eingebaut, die während des Geschäftsbetriebs hinter die horizontale Lamellenstruktur des Sturzbereich (elektrisch) hochgeschoben werden. Die Konstruktion wurde bewusst mit einem hohen Anteil an gewachsenem Massivholz (Fi/Ta) ausgeführt, um den Einsatz verleimter Produkte gering zu halten. Die verwendete Rohware kommt aus dem Stadtwald am Zürichberg, sie wurde von Küng Holzbau in Alpnach verarbeitet und eingebaut.
- Architektur: Schmid Ziörjen Architektenkollektiv (SZA)
- Planung: Makiol Wiederkehr
- Holzbau: Küng Holzbau
- Fotos: Lukas Murer








