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Serielles, modulares Bauen mit Holz: Wer überlebt die Krise?

06|2026

Serielles, modulares Bauen mit Holz: Wer überlebt die Krise?

Die Daten sind eindeutig: Der Markt ist bereit für den Wandel, doch die Politik bremst den Fortschritt aus. Denny Ohnesorge analysiert warum serielles und modulares Bauen mit Holz nicht nur ein Trend, sondern die notwendige Antwort auf Fachkräftemangel und Kostendruck ist. Wo liegen die regulatorischen Blockaden bei Vergaberecht und Förderung? Und welche fünf Schritte sind jetzt entscheidend, um den Holzbau aus der Krise zu führen?

Die aktuelle Baukrise lässt die Branche aufhorchen – doch wer hinter die Schlagzeilen der Genehmigungsstatistiken blickt, erkennt mehr als nur einen Einbruch. Die Daten signalisieren eindeutig: Der Markt ist bereit für einen Wandel.  Die entscheidende Frage, die über die Zukunft entscheidet, lautet jedoch: Ist es die Politik auch?

Fünf Erkenntnisse aus den letzten Jahren zeichnen ein klares Bild der aktuellen Lage:

  • Trendwende im Holzbau: Trotz des schwierigen Marktumfeldes wächst der Anteil von Holzbauweisen im Mehrfamilienhaussegment entgegen dem allgemeinen Trend.
  • Der Modus Operandi zählt: Serielles Bauen gewinnt an Boden; es ist die gewählte Bauweise, die über den Erfolg entscheidet, nicht allein der Baustoff.
  • Unerschlossene Potenziale: Zwar werden 85 % der Holzgebäude in Fertigbauweise errichtet, doch im Mehrfamilienhausbau liegt dieser Anteil bei gerade einmal 6 % – im großvolumigen Geschosswohnungsbau ist das Potenzial weitgehend ungenutzt.
  • Klimaschutz als Standard: Serielles Bauen und Sanieren mit Holz fungiert als natürlicher Treiber für den Klimaschutz.
  • Strukturelle Chancen: Das Potenzial für regionale und strukturelle Anwendungen ist immens.


Markt bereit, Politik zögerlich

Während die Akteure am Markt die Chancen längst erkannt haben, bleibt die regulatorische Unterstützung auf der Strecke. Eine Bilanz der aktuellen Hürden:

Die Vergaberecht-Blockade: Obwohl der Runde Tisch „smsB“ des Bundesbauministeriums eine Leitlinie für Vergabestellen als Priorität identifizierte und die Bauministerkonferenz einstimmig den Abbau von Hürden forderte, bleibt die Umsetzung aus. Die Bundesregierung hat den Losgrundsatz zwar für Infrastrukturprojekte aus dem Sondervermögen gelockert, für den Wohnungsbau hingegen gibt es keine Bewegung. Das Bundeswirtschaftsministerium bleibt bei seiner Linie: keine Leitfäden, keine Erleichterungen für Vergabestellen. Das Ergebnis für serielles Bauen mit Holz? Leider bisher: Null.

Der offene Widerspruch: Hier klaffen Förderung und Realität auseinander. Einerseits unterstützt die KfW serielles Sanieren mit Holz durch 15 % Tilgungszuschüsse im BEG-Programm. Andererseits fehlt der notwendige ordnungspolitische Rahmen, um diese Bauweise in der Breite zu ermöglichen. Man fördert den Fortschritt, erschwert aber gleichzeitig seine Skalierung.

Was jetzt geschehen muss

Um die Baukrise nachhaltig zu überwinden, bedarf es laut Ohnesorge einer konsequenten Neuausrichtung in fünf Punkten:

  • Ordnungsrecht: Anpassung der Brandschutzanforderungen an die reale Risikolage.
  • Vergaberecht: Flexibilisierung des Losgrundsatzes explizit für serielles Bauen und den Wohnungsbau.
  • Förderung: Differenzierte Bewertung von Herstellungs- und Betriebsphase in der Lebenszyklusanalyse durch die KfW.
  • HOAI: Honorarrechtliche Abbildung der Besonderheiten serieller Bauweisen und der frühzeitigen Kompetenzeinbindung.
  • Kompetenzaufbau: Gezielte Fortbildungsprogramme für Planer, Vergabestellen und Genehmigungsbehörden.

Fazit: Robustheit durch System

Der Holzbau hat in der Krise enorme Widerstandsfähigkeit bewiesen – nicht zuletzt, weil serielles Bauen mit Holz die passgenaue Antwort auf den Fachkräftemangel, den Kostendruck und die ambitionierten Klimaziele liefert. Damit die Branche gestärkt aus dieser schwierigen Phase hervorgehen kann, muss die Politik nun zwingend den richtigen Rahmen schaffen.


Bild/Quelle: ©HDH