Bauten
09|2026
Richtfest am Null-Emissionshaus in der Hamburger Hafencity
Auf der Baustelle der HafenCity Hamburg GmbH wurde am Montag (21. September) Richtfest gefeiert. Die Stadtentwicklungsgesellschaft ist auf einem 1.500 m² großen Grundstück in der Hafencity sowohl Developerin, als auch Bauherrin. Sie will das sechsgeschossige Bürogebäude mit 6.300 m² Mietfläche (Bruttogrundfläche: ca. 7.200 m²) zum Teil selbst nutzen, die anderen Flächen aber vermieten. Das ambitionierte Bürogebäude an der Kreuzung San-FranciscoStraße/Am Dalmannkai unweit der Elbphilharmonie wurde von den Architekten heinlewischer aus Berlin als Generalplaner hinsichtlich seiner Emissionen, dem Raumklima und der Rückbaubarkeit optimiert. Koordiniert wurde alles über einen digitalen Zwilling. Das gesamte Gebäude ist rückbaubar im Sinne der Kreislaufwirtschaft – dokumentiert über einen BIMRessourcenpass, der alle Materialien erfasst.
Durch den Holzbau-Anteil, Photovoltaik, Geothermie (mit 53 Sonden in 83 m Tiefe), Wärmepumpe für Heizung und Kühlung und den Einsatz kreislauffähiger Materialien soll das Gebäude („Null-Emissionshaus“) bilanziell über den gesamten Lebenszyklus CO2-neutral werden. Seit dem Abschluss einer vierjährigen Beton-Rohbauphase mit Pfahlgründung, Bau von Keller und Erdgeschoss, Erschließungskern und weiterer Aussteifungen geht es seit dem Ende des Betonbaus 2025 und dem Beginn des Holzbaus Anfang 2026 flott voran. Das Projekt litt unter anderem unter den Marktstörungen, die der russische Überfall auf die Ukraine 2022 ausgelöst hatte. Preissteigerungen, erforderliche Umplanungen bei Materialien und Klagen gegen Baulärm in der Gründungsphase sorgten für drei Jahre Bauverzögerung und erhebliche Baukostensteigerungen.
Die Gebäudehülle ist derzeit nahezu fertig, es wird noch an der Holzfassade montiert. Ende 2027 soll der Bau bezugsfertig werden. Der konstruktive Holzbau und die Fassaden kommen von Ueding Modulbau. Zentrale Teile des Holzbaus wurden im Werk in Billerbeck (NRW) mit Holz aus Mitteleuropa vorgefertigt. Die Tragwerksplanung führten Wetzel & von Seht (WVS) aus. Die Fassade wird mit rund 450 Kletterpflanzen begrünt, die für natürliche Verschattung und eine Verbesserung des Mikroklimas sorgen, weshalb an vielen Stellen auf außenliegenden Sonnenschutz verzichtet wurde. Viele Fensterflächen und Balkone bieten viel Tageslicht im Gebäude, Sichtholz und Lehmdecken sorgen für eine hohe Aufenthaltsqualität, ebenso eine 360 m² große Dachterrasse.
Wegen der guten ÖPNV-Anbindung des Grundstücks konnte auf Kfz-Stellplätze verzichtet werden. Stattdessen sind 150 Fahrradstellplätze vorgesehen. Im Keller des Gebäudes sind Teile der bereits in Betrieb befindlichen Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe untergebracht, die am Cruise Center der Hafencity anlegen.
- Architektur: heinlewischer
- Bauherrin: HafenCity Hamburg GmbH
- Tragwerksplanung: Wetzel & von Seht (WVS)
- Holzbau: Ueding Modulbau
- Fotos: Hafencity / Miguel Ferraz, Martin Elsen, RMN Ingenieure, M. Kausch Visualisierungen: Heinle, Wischer








