Bauten

09|2026

Sozialer Wohnungsbau mit Holz im Tragwerk und Altholz an der Fassade

Das Centrumeiland ist eine von 2013 bis 2015 künstlich aufgeschüttete Wohninsel östlich von Amsterdam in einer Ausbuchtung des Markermeers, dem IJmeer. Die Aufschüttung ist Teil des großen Stadterweiterungsprojekts „IJburg“. Auf Centrumeiland wurde ein Großteil der Parzellen für private Bauherren bzw. Bauherrengruppen reserviert, damit sie dort eigenen Wohnträume verwirklichen und auch selbst mit Hand anlegen können (Stichwort „zelfbouw“).

Eine der Bauherrengruppen auf Centrumeiland ist „De Torteltuin“, deren MehrfamilienMietshaus nach zwei Jahren Bauzeit jetzt bezugsfertig geworden ist. In dieser Wohnkooperative haben sich 60 junge Menschen zusammengeschlossen, um in der Stadt mit bezahlbaren Mieten wohnen zu können und die Bezahlbarkeit auch langfristig zu gewährleisten. Das wird durch kleine Wohnungen mit möglichst vielen gemeinsam zu nutzenden Räumen und Einrichtungen drum herum erreicht.

 Im ersten, zweiten und dritten Stockwerk wurden kleine Wohngruppen, sogenannte Cluster geplant, die sich ein gemeinsames Wohnzimmer teilen. Im Erdgeschoss gibt es großen Cluster mit besonders großer Empfangshalle, einem Wohnzimmer und einer Großküche für diejenigen, die ihr Leben mit vielen Bewohnern teilen möchten: der Wintergarten, der als zentraler Gemeinschaftsraum dient. In der Peripherie gibt es Kaffeeecke, Fitnessraum, Werkstatt, ein Homeoffice-Bereich, ein Veranstaltungssaal, Ruheraum, ein Musikstudio und gemeinsame Waschküchen. Damit ist auch gewährleistet, dass die Nachbarn auch an anderen Stellen im Gebäude zusammenkommen.

Beim Bau des Hauses sollten so viel wie möglich Materialien mit geringer Umweltbelastung eingesetzt verwenden. Die Haupttragkonstruktion ab der Betonbodenplatte besteht aus Holzwerkstoffen (v.a. CLT und BSH), auch der Aufzugsschacht und die Fensterrahmen sind aus Holz. Die Fassade von „Torteltuin“ besteht zu einem großen Teil aus wiederverwendeten Materialien. Beispielsweise wurden in Alkmaar für das Gebäude 250 Haustüren gerettet, um ihre Bestandteile für die Fassade weiterzunutzen. Hier konnten die Mitglieder der Kooperative mit Hand anlegen. Holz ist somit nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie, sondern prägt auch das Erscheinungsbild des Gebäudes.

Der Architekturentwurf wurde 2022 bis 2023 von Natrufied Architecture. GU für das Bauprojekt, das 2024 in die Umsetzungsphase ging, ist WEEVERbv, die u.a. BTF Prefab B.V. und KLH Massivholz als Zulieferer einsetzten.

  • Architektur: Natrufied Architecture 
  • Generalunternehmen: WEEVERbv 
  • Bauherren (u.a): De Torteltuin 
  • Holzbau: KLH Massivholz, BTF Prefab B.V. 
  • Fotos: Natrufied Architecture, Weever Bouw; De Torteltuin; Han Grote Gansay